Feedback AAD 2018

REPORTS

Alopezie

Haarige Angelegenheiten: Was gibt es Neues bei der Alopezie?

Presented by: Wilma Fowler Bergfeld, MD, FAAD
Professor of Dermatology and Pathology, Cleveland Clinic, Cleveland, OH, USA

Im Vergleich zu behaarter Kopfhaut wird die Prostaglandin-D2-Synthase (PTGDS) in kahler Kopfhaut von Männern mit androgenetischer Alopezie (AGA) vermehrt produziert. In kahler Kopfhaut gleichermaßen erhöht ist auch das Produkt der PTGDS-Enzymaktivität, das Prostaglandin D2 (PGD2). In einer Studie zur Prostaglandin-D2-Synthase bei Mäusen (Ptgds) sowie Menschen (PTGDS) wurde nachgewiesen, dass PGD2 das Haarwachstum hemmt, sowohl in explantierten Haarfollikeln als auch bei topischer Anwendung bei Mäusen.1 Die Autoren stellten eine direkte inhibitorische Wirkung von PGD2 auf das Haarwachstum fest, die auf die Wirkung auf den PGD2-Rezeptor 2 (CRTH2) zurückgeführt werden konnte. Bei diesem handelt es sich um ein humanes Protein, das durch das PTGDR2-Gen und durch GPR44 codiert wird. Daher wurde in der Studie PGD2 als Hemmer des Haarwachstums bei AGA bestimmt und der PGD2-CRTH2-Signalweg als potenzielles therapeutisches Ziel vorgeschlagen.

In CRTH2-Knockout-Mäusen hemmte PGD2 das Haarwachstum nicht.1,2 In einem Mausmodell zur Erforschung von Hautverletzungen hemmte PGD2 die Regenration des Haarfollikels in Abhängigkeit von CRTH2.2 Ein neuer Ansatz untersucht derzeit die Anwendung eines CRTH2-Antagonisten, um der Wachstumshemmung entgegenzuwirken.

Auch der Wnt-Signalweg wird derzeit umfassender im Hinblick auf die Induktion der aktiven Wachstumsphase (Anagen-Phase) untersucht. Es wurde gezeigt, dass topisch angewendetes Wnt (SM04554) die Proliferation der Haarfollikel anregte und die Dauer des Übergangs von der Ruhephase (Telogen-Phase) in die Anagen-Phase verkürzte, ein Haarwachstum zeigte sich in Woche 3.3 Im Mausmodell zeigte das Prüfpräparat im Vergleich mit 5%-igem Minoxidil ein signifikant stärkeres Haarwachstum.2 Präklinische und klinische Daten unterstützen diese neue Entwicklung: Die Daten zeigen unter Behandlung mit SM04554 mehr ausgereifte Haare im Vergleich zur Trägersubstanz (Placebo). In klinischen Phase-II-Studien hat sich das Präparat als sicher und gut verträglich erwiesen. In makrofotografischen Studien und Biopsiestudien hat es außerdem zu einem Anstieg des Haarwachstums geführt.4

Thrombozyten-angereichertes Plasma (Platelet-rich plasma, PRP) spielt eine immer stärkere Rolle bei der Alopezie, da es das Haarwachstum über die Interaktion von Zytokinen anregen kann. Seine Anwendung hat nachweislich zu Haarwachstum sowohl bei AGA als auch bei anderen Formen der Alopezie geführt.5 Die Wirksamkeit dieser Behandlung wurde durch einen Vergleich der histologischen Befunde von Patienten mit AGA vor und nach der Anwendung von PRP bewertet (Tabelle).5 Zwar sind noch randomisierte klinische Studien erforderlich, doch die vorläufigen Daten sprechen für eine substanzielle therapeutische Wirkung von PRP auf die Regeneration der Haarfollikel.

Die Alopecia areata (AA) und andere vernarbende Alopezien treten infolge des Verlusts des Immunprivilegs im Haarfollikel auf. Das normale Immunprivileg wird durch die Infiltration von TNF-α (fördert die Proliferation von Th17-Zellen und erhöht die Konzentration von IL-17) und die Proliferation von CD8-T-Killerzellen aufgehoben. Durch Hemmung der Januskinase (JAK) kann der Alopecia areata entgegengewirkt werden.6,7 JAK-Inhibitoren können oral verabreicht oder topisch angewendet werden und sind eine vielversprechende neue Substanzklasse zur Behandlung der AA.8 Die Sicherheitsprofile einiger JAK-Inhibitoren sollten allerdings berücksichtigt werden, da die Patienten möglicherweise anfälliger für Infektionen und bestimmte Krebsarten sein können.8

Tofactinib hat in einer Studie bei erwachsenen Patienten mit AA, Alopecia totalis (AT) und Alopecia universalis (AU) gute Ergebnisse gezeigt. Von 65 potenziellen Therapie-Respondern, definiert als Patienten mit AT, AA oder AU, bei denen die Dauer der aktuellen Krankheitsepisode bei bis zu 10 Jahren lag, wurde bei 77 % ein klinisches Ansprechen erzielt. Bei 58 % der Patienten kam es im Verlauf einer Behandlung über 4 bis 18 Monate zu einer Besserung des Schweregrads im Alopecia Tool Score um 50 %.9 In dieser Studie wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse gemeldet und Tofacitinib war gut verträglich.

In einer Studie zu Ruxolitinib zeigten 9 von 12 Patienten (77 %) mit mittelschwerer bis schwerer AA ein deutliches Ansprechen auf die Behandlung. Das durchschnittliche Haarwachstum betrug 92 % am Ende der Therapie10. Darüber hinaus zeigte eine Genexpressionanalyse eine behandlungsbedingte Herunterregulation der Entzündungsmarker einschließlich derer für zytotoxische T-Lymphozyten und der Interferon-Response-Gene sowie eine Hochregulierung haarspezifischer Marker.

In einer bizentrischen, unverblindeten, einarmigen Studie wurde Tofacitinib 5 mg 3 Monate lang zweimal täglich an Patienten mit AA und einem Verlust des Kopfhaars über 50 % sowie an Patienten mit AT bzw. AU verabreicht.11 Von 66 behandelten Studienteilnehmern kam es bei 32 % zu einer Besserung des Schweregrads im Alopecia Tool Score um 50 % oder mehr. Diese Studie bestätigt, dass Tofacitinib eine sichere und wirksame Therapie bei AA ist, die jedoch nicht zu einem dauerhaften Ansprechen führt.

Vor Kurzem wurde nachgewiesen, dass IL-2, IL-9 und IL-15 in AA-Läsionen hochreguliert sind, die hauptsächlich verantwortlich für die pathologische Aktivität zytotoxischer T-Zellen sowie natürlicher Killerzellen bei AA sind.7,12

Zurzeit werden erste Untersuchungen zu BNZ-1 durchgeführt, einem Inhibitor, der übergeordnet die Signalwege von IL-2, IL-9 und IL-15 hemmen könnte. Mit diesem Ansatz könnten die Nebenwirkungen geringer als derzeit unter JAK-Inhibitoren sein.

Bei anderen Erkrankungen stehen bereits fäkale Mikrobioata-Transplantationen zur Verfügung. Ihre Anwendung bei Patienten mit AA wird momentan geprüft. Da das Konzept des Mikrobioms derzeit immer beliebter wird, könnten die Transplantationen von fäkalen Mikrobiota bei zukünftigen Therapien eine Rolle spielen.

Kernaussagen

  • Das Wissen über das Krankheitsgeschehen bei der Alopezie und den Befall der Haarfollikel hat in letzter Zeit deutlich zugenommen.
  • Dieses Wissen hat zur Entwicklung von zielgerichteten Wirkstoffen geführt, die eine Hemmung von immunologischen Vorgängen bewirken.
  • PRP und JAK-Inhibitoren haben in klinischen Studien vielversprechende Ergebnisse gezeigt und könnten zukünftig als Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen.


REFERENCES

Offenlegungserklärung der Referentin: Die Referentin hat angegeben, dass sie als Beraterin und Prüferin für die Firmen Allergan, Incyte, Concert, Aclaris, Cassiopea, J&J, Bioniz, Samumed, Pfizer, Lilly, Bayer Health und P&G tätig ist.

Aufgezeichnet von: Debbie Anderson, PhD

Überprüft von: Victor Desmond Mandel, MD


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